Donnerstag, 12. April 2018
 

Bürgerhaus Gräfelfing am Bahnhofsplatz  


Prof. Dr.
Ernst Peter Fischer

Diplomphysiker, Dr. rer. nat.
Professor für Wissenschaftsgeschichte



Foto: Privat

Hinter dem Horizont
 
Eine Geschichte der Weltbilder

 

Babylonisches Weltbild

Prezi.com - Tabea Alina Leseberg


Presseartikel

 
Was ist die Welt, und wie sieht sie aus? So lautet eine der ältesten Fragen der Menschheit, und noch heute begegnen wir ihr nicht anders als in Urzeiten: Wir entwerfen Weltbilder, die da anfangen, wo unsere Sinneswahrnehmung aufhört.

Ernst Peter Fischer erzählt so spannend wie lehrreich die
Geschichte jener Bilder, die den Menschen und seine Zeit spiegeln und zugleich fundamental prägen: von der babylonischen Vorstellung einer Scheibe unter dem Firmament, die sich auch im Alten Testament findet, über den Lebensbaum der Maya, der Himmel und Erde, Leben und Tod verbindet, bis hin zu den Aufnahmen, die den Erdball erstmals aus dem All zeigten. Fischer berichtet von Entdeckungsfahrten und Kartographie, von dem Blick durch das Teleskop wie durch sein Gegenstück, das Mikroskop – denn nicht nur im Größten, auch im Kleinsten, in Genen und Atomen, liegen Weltbilder begründet. Wie sich zeigt, hat die moderne Wissenschaft die Welt keinesfalls «entzaubert», sie hat nur unsere Horizonte verschoben. Doch wo liegen die Horizonte, die es heute noch zu überwinden gilt?

Ernst Peter Fischer nimmt das große Ganze in den Blick. Er erkundet eine Grundlage des menschlichen Selbstverständnisses, die Welt in unseren Köpfen – so ist diese Geschichte der Weltbilder auch eine Geschichte der Menschheit.

Ernst Peter Fischer (Jahrgang 1947) ist diplomierter Physiker, promovierter Biologe und habilitierter Wissenschaftshistoriker, der zuletzt seine Vorlesungen an der Universität in Heidelberg gehalten hat, wo er auch lebt. Er war 12 Jahre lang Hausmann und hat mehr als 60 Bücher verfasst, von denen zuletzt erschienen sind "Hinter dem Horizont" und "Treffen sich zwei Gene". 2005 hat er in Gräfelfing über Einstein gesprochen. Derzeit versucht er sich an einem Manuskript mit dem Titel "Das Prinzip Bewegung".

 

Mittelalterliches Weltbild ?

Flammarions Holzstich (coloriert) - parallele Welten?


Fischer beschreibt dieses Bild so: Der 'Wanderer am Weltenrand', wie ihn Camille Flammarion, Astronom und ein Zeitgenosse von Vincent van Gogh, 1888 dargestellt hat. Flammarion zeigt dem Betrachter, wie sich das 19. Jahrhundert ein mittelalterliches Weltbild ausgemalt hat, in dessen Rahmen ein Mensch das Diesseits verlassen und in ein Jenseits blicken kann. Mit englischen Ausdrücken, die kein deutsches Pendant haben, könnte man sagen, der Mensch gelangt durch den 'Sky' in den 'Heaven'.
 

  
        



Themen:
Ideengeschichte, Geistesgeschichte; Soziologie und Anthropologie; Geschichte allgemein und Weltgeschichte; Sozial- und Kulturgeschichte; Kosmologie und das Universum; Geographische Entdeckungen und Erforschungen; Kartographie, Kartierung
 


Weltbild zwischen Antike und Mittelalter ?


Die Säulen des Herkules
Francis Bacon: Instauratio Magna 1650
Wikimedia John P. McCaskey

Dem griechischen Dichter Pindar zufolge brachte Herakles am Ausgang des Mittelmeeres bei Gibraltar die Inschrift „Nicht mehr weiter“ an, um das Ende der Welt zu markieren. Die lateinische Version dieses Spruches, Non plus ultra, fand als Devise Eingang in das spanische Wappen. Der Renaissancephilosoph Francis Bacon nutzte das Motiv in seiner Instauratio magna als Symbol für das bewusste Durchbrechen der Wissensgrenzen von Antike und Mittelalter. („Viele werden hindurchfahren und die Erkenntnisse der Wissenschaft werden sich vermehren“ lautet die Unterschrift der Titelgraphik.) - Quelle: Wikipedia
Es waren wohl "insbesondere drei Erfindungen, die den Schritt über die Grenze der alten Welt ermöglichten: die Druckerpresse, das Schießpulver und der Kompass."


Der Horizont und dahinter wieder der Horizont.


„Zu den meisten Horizonterfahrungen gehört ein Blick über das Meer, das mit seiner Tiefe lockt, während die Augen zugleich in die Ferne schweifen“
 



Pixabay dimitrisvetsikas1969


In der Einleitung seines Buches zitiert Ernst Peter Fischer unter der Überschrift "Der Mensch und seine Horizonte" die jüngste Tochter von Thomas Mann, Elisabeth Mann Borgese, wie sie in Kindertagen zum ersten Mal mit ihrem Vater am Meer steht und beide «ganz benommen in die Ferne» schauen. Und während sie da stehen und den Blick schweifen lassen, nimmt etwas die Aufmerksamkeit der Tochter in Anspruch: «Was mich am tiefsten beeindruckte, war der Horizont, der sich fest und ungebrochen, wie von einem überdimensionalen Zirkel gezeichnet, von einem Ende des Blickfeldes zum anderen hinzog. ‹Das ist der Horizont›, erklärte mein Vater. ‹Und was ist hinter dem Horizont?›, fragte ich. ‹Der Horizont und dahinter wieder der Horizont. Je weiter du hinausruderst, umso weiter zieht sich der Horizont zurück, so dass du immer nur einen Horizont siehst, bis ganz ganz zuletzt Land in Sicht kommt, und dann ist der Horizont verschwunden. Du kannst ihn dann aber wieder sehen, wenn du dich herumdrehst.›»

Und weiter schreibt Fischer u.a.: Der Horizont selbst bleibt den Menschen unerreichbar. Und doch scheint sich dahinter eine geheimnisvolle Welt zu öffnen, zu der sich die menschliche Neugierde unaufhaltsam hingezogen fühlt. ... Das Entwerfen und Verfertigen von Weltbildern erlaubt es den Menschen seit Anbeginn ihrer Geschichte und in allen Kulturen, den Blick dorthin zu lenken, wo die Augen normalerweise nicht hinreichen, nämlich hinter den Horizont.
 


Unser Weltbild


Fischer: "Weltbild ist das, was man in seinem Kopf entwirft für die Bereiche, die man nicht unmittelbar sehen kann."
 



Unser Weltbild entsteht zu einem guten Teil in unserer Seele. Und bestimmt darüber, wer wir sind, wie wir denken und fühlen und vor allem: was wir uns im Leben zutrauen. Zugleich drängt es uns Menschen seit Anbeginn der Geschichte zu wissen, was hinter dem nächsten Horizont liegt. Daraus entwerfen wir Weltbilder, die das zeigen sollen, was für uns unerreichbar bleibt. 

Eine Welt und viele Bilder / Erste Erfahrungen der Erde / Weite Wege in neue Welten / So weit die Bilder tragen / Im Kosmos der Kulturen / Vom Wandel der Weltbilder / Das Licht, das auf den Menschen fällt / Perspektiven im digitalen Zeitalter (Quelle: Seminarinhalt Zürich März 2018)

HINTER DEM HORIZONT Leseprobe - Deutschlandfunk - Spiegel online - rbb radio eins - falter.at - Umweltnetz - Literatur outdoors -

 



aus 'Hinter dem Horizont' - Link zum Bild  © !


Weltbilder


<  links

Das ist keine Pfeife,
sondern das Bild einer Pfeife
(René Magritte
Der Verrat der Bilder, 1928-29)
Quelle: Wikipedia
Los Angeles County Museum of Art, Los Angeles, California

 

 

rechts  >

Das ist nicht die Welt,
sondern ein Bild der Welt
(Germanisches Weltbild)
 



Die Weltenesche Yggdrasil


Es gibt Wörter, die jeder benutzt und zu verstehen scheint und die deshalb kaum einer Erläuterung bedürfen. Wer hat nicht schon von der oder einer „Welt“ gesprochen, ohne sich dabei besondere Gedanken darüber zu machen, was das Wort bedeutet? Und wer fragt sich noch, was ein Bild ist, wo man doch tagtäglich von einer Flut – vor allem unzähliger zappelnder Fernsehbilder – überschwemmt wird und nach statistischen Schätzungen heute während eines Fußballspiels in einem vollen Stadion mehr Bilder aufgenommen werden als während des ganzen 19. Jahrhunderts? Was das Kompositum „Weltbild“ betrifft, so hat sich Martin Heidegger Gedanken über „Die Zeit des Weltbildes“ gemacht und gefragt, „Was ist das – ein Weltbild?“, um erst zu antworten: „Offenbar ein Bild von der Welt“, dann anzumerken, dass die Moderne "die Welt als Bild begreift", um schließlich hinzuzufügen, „zur Welt gehört auch die Geschichte“. Mit ihr gibt es dann auch eine Geschichte der Weltbilder. Sie wird erzählt und führt hinter den Horizont, also dahin, wo es Menschen ihrer Natur gemäß hinzieht.

Und zu einer manchmal selbstverschuldeten und bequemen Eingrenzung des Horizontes bei vielen Menschen hier noch ein Zitat von Heidegger: «Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben.»

"
Ich musste oft über den Horizont nachdenken, und er hatte die unterschiedlichsten Bedeutungen für mich. Als ich zwölf Jahre alt war, schien er mir die Einheit von Zeit und Raum im sich ausdehnenden Universum verständlich und anschaulich zu machen: So, wie man sich in den Raum hinausbewegt, was ja Zeit dauert, so erweitert sich der Horizont des Universums, dachte ich mir, und die Endlichkeit wird zur Unendlichkeit."  Elisabeth Mann Borgese  (1999): Mit den Meeren leben, Verlag Kiepenheuer & Witsch
 


Himmelsscheibe von Nebra (ca. 4.000 Jahre alt)

Neandertaler (ca. 130.000 bis 30.000 Jahre alt)   -   Cro-Magnon-Mensch (seit ca. 40.500 Jahren)
(Quelle: Plamet-schule)

Virtual Reality

 
"Look up at the stars and not down at your feet. Be curious."
Stephen Hawking 1942-2018


Ernst Peter Fischer

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Bild: BR



Udo Lindenberg: "Hinterm Horizont geht's weiter"

 

... und "5 gegen J" war kein schlechter Horizont ...

 


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